Mit Engelchen und Glühwein

Der Nikolaus kam gestern auch auch aufs Heidelberger Schloss

Plötzlich hört man Pferdegetrappel und 50 Paar Kinderaugen werden groß und fangen an zu leuchten: In den Innenhof des Schlosses biegt eine Pferdedroschke ein. Es ist der Nikolaus. Er kommt seit zehn Jahren am 6. Dezember um die frühe Abendszeit in den Schlosshof, um Kinder zu beschenken und, wenn denn nötig, auch zu rügen. Die meisten Kinder waren aber lieb in diesem Jahr. Lukas zum Beispiel „ist ein guter Schüler und immer lieb zu seinen Katzen", lobt der Nikolaus. Und andere haben sich höchstens kleinere Vergehen zu Schulden kommen lassen - Julian solle besser aufräumen im nächsten Jahr und Amelie sei immer ein bisschen sehr ungeduldig. Ein Geschenk bekommen aber alle: Das konnten die Eltern in den letzten Tagen im „Nikolausbüro" abgeben.
Den Nikolaus eingeladen hat wie in jedem Jahr Schlossgastronom Wolf Schönmehl. „Mittlerweile ist es schon Tradition", erzählt er, „es gibt aber ja auch kaum einen schöneren Anlass und auch keinen schöneren Ort, als den 6. Dezember im Schlosshof zu feiern." Schönmehls Nikolaus ist der studierte Theologe Roland Müller. Er leite oft Führungen im Schloss, habe das nötige Hintergrundwissen und mittlerweile auch schon Kultstatus erlangt. Des Nikolaus' Engelchen spielt eine Schülerin und den Knecht Ruprecht der Küchen-Azubi. Gewinn macht der Gastronom derweil nicht mit der Aktion - der Beitrag von fünf Euro pro Kind sei eher symbolischer Natur.
Christian Gundel ist mit seinen Kindern das erste Mal dabei „und wohl leider auch das letzte Mal". Die Große sei jetzt schon neun und schon sehr Nikolaus-skeptisch, sagt er. Sie würde es aber sportlich sehen und die Geschenke trotzdem abgreifen. Ihr kleiner Bruder sei im nächsten Jahr dann wohl auch zu alt.

RNZ, 7.12.2006









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