Der "Blaue Dunst" muss draußen bleiben

Die Eppelheimer Gymnasiasten gaben den Anstoß: Die Schlossweinstube ist jetzt rauchfreie Zone

Welcher Nichtraucher hat sich nicht schon im Restaurant über Tischnachbarn geärgert, die mit ihrer Qualmerei auch das schönste Essen verderben können? Bei Wolf Schönmehl gehört dies der Vergangenheit an. Der Heidelberger Gastronom hat den „Blauen Dunst" aus seiner „Schlossweinstube" verbannt. Das sei er, so sagt er, der Gesundheit seiner Gäste, seiner Mitarbeiter, auch den historischen Räumen und nicht zuletzt den von ihm kreierten Geschmackserlebnissen schuldig.
Daumen hoch für "Rauchfrei (v.l.): Leonie Gebhard, Daniel Dirwald, Schlossgastronom Wolf Schönmehl, Dr. Herbert-Arthur Zeuner, Vincenz-Borrmann und Johanna Belzner.
Dass er den Anstoß für diese Aktion den Schülern des Eppelheimer Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums verdankt, gab der Heidelberger Vorzeigekoch freimütig zu. Zum Jahresanfang hatte das Gymnasium mit breiter Unterstützung von Schulleitung, Elternbeirat, Schulkonferenz und der Schülermitverwaltung (SMV) die Aktion „Rauchfreie Schule" gestartet. Eine schulnahe Raucherecke, an der sich ältere Schüler und Lehrer in den Pausen zum gemeinsamen Qualmen getroffen haben, wurde abgeschafft. Das Ziel: Wer rauchen will, muss das Schulgelände verlassen oder soll es am besten gleich ganz bleiben lassen. Dieses Gebot gilt für Schüler wie Lehrer und funktioniert. Wer sich nicht an diese neue Hausordnung hält, muss mit Konsequenzen durch die Schulleitung rechnen. Die Schüler der SMV wollen den Rauch aus ihrer Schule langfristig verbannen, deshalb soll es für die jüngeren Schüler keine rauchenden „Vorbilder" geben. Dies betonten die Schülervertreter Leonie Gebhard, Johanna Beizner, Vincenz Borrmann und Daniel Dirwald. Letzterer war es auch, der über einen Ferienjob den Kontakt zu Wolf Schönmehl knüpfte und ihn als Unterstützer gewinnen konnte. „Diese Idee passte zu meinem Vorhaben, deshalb habe ich sofort ,Ja' gesagt", erinnerte sich Schönmehl - und zwar nicht nur, weil die Jugend von heute auch die Gäste von morgen sein können. Um eine möglichst hohe Wirkung dieser von ihm als „mutig und äußerst lobenswert" bezeichneten Aktion zu erzielen, spendierte Schönmehl der Schule T-Shirts mit dem Aufdruck „Just be smokefree!". Respekt zollte den Schülern auch der Vorsitzende der Heidelberger Ärzteschaft Dr. Herbert-Arthur Zeuner: „Es ist ganz fantastisch, dass junge Menschen für sich und andere Verantwortung zeigen." Diese Aktion, so der Mediziner, hätte eigentlich von den Lehrern ausgehen müssen, denn sie ziele in die einzig richtige Richtung: „Fangt doch mit dem Rauchen erst gar nicht an!" In der „Schlossweinstube" wird Schönmehl nicht viel Überzeugungsarbeit leisten müssen: Die Zahl der rauchenden Gäste bei Tisch habe sich in den letzten beiden Jahren auch ohne erhobenen Zeigefinger bereits mehr als halbiert. Alle anderen wird er höflichst auf die neuen Regeln seines Hauses hinweisen, verbunden mit dem Versprechen eines uneingeschränkten Genusses „vom ersten bis zum letzten Biss".

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