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Bisher gab es eine einfache Regel: Wer etwas auf sich hält, greift lieber zu Wein als zum Bier. Solche Vorurteile sind dem Weinkritiker Stuart Pigott zuwider. „Das elitäre Gehabe von Weintrinkern nervt mich", sagt er. Mit Äußerungen wie dieser avancierte er zu einem der international bekanntesten Weinkenner in Deutschland. Nun ist sein neuestes Buch „Planet Wein" im Scherz Verlag erschienen (22,90 Euro).
„Ich möchte meinen Lesern Selbstbewusstsein vermitteln, damit sie ihrem eigenen Urteil vertrauen können", erklärt Pigott. Das ist sein wichtigster Grundsatz: Es gibt keinen guten oder schiechten Wein, „Stattdessen sollte jeder den Mut haben zu sagen: Das schmeckt mir, den finde ich gut", sagt Pigott. Jeder könne seine Sinne für die verschiedenen Geschmacksrichtungen schärfen und sich ein gewisses Spezialwissen zulegen.
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So entdeckte auch der heute 44-Jährige einst den Wein für sich. Der gebürtige Brite unterbrach 1981 für ein Jahr sein Studium der Kunstgeschichte und jobbte als Weinkellner in einem Londoner Restaurant. Vorher hatte er als Jugendlicher nur „billigen Fusel " getrunken, jetzt lernte er die Unterschiede und die Vielfalt kennen. „Kein Wein schmeckt wie ein anderer", weiß Pigott, der seit 1992 in Berlin lebt. Immer wieder lerne er neue Nuancen kennen.
Das ist für Pigott das Reizvolle am Wein: der ständige Wandel, nie bleibt ein Wein so wie er noch im vergangenen Jahr war. Deswegen bezeichnet er sich auch nicht als Weinexperte. „Ich stehe angesichts der Dy-
namik immer nur am Anfang", behauptet er.n dem Bildband „Planet Wein" stellt Pigott die verschiedensten Rebsorten nicht einfach nur vor. Er vergleicht ausdrucksstarke Weine mit der kräftigen Faust des Boxstars Mike Tyson und behauptet, „Weingärtnern ist der neue Sex". „Der moderne Weintrin-ker ist zwischen 25 und 40 Jahren alt", sagt Pigott. „Ich muss die Sprache dieser Generation sprechen, wenn ich sie erreichen will."
Das tut der Weinkenner in seinen Büchern wie „ Stuart Pigotts kleiner genialer Weinführer 2005" und bei Lesungen. Bei solchen Anlässen bleibt er seinem Motto treu und verrät nicht, welcher Wein gut oder schlecht ist. Pigott will nur vorschlagen und empfehlen. Auch dann überrascht er, wenn er sagt „Guten Wein gibt es auch im Supermarkt an der Ecke".
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Stuart Pigott kann man live am Freitag, 17. Juni, ab 19 Uhr bei einer Weinparty auf dem Heidelberger Schloss erleben, Pigott empfiehlt gerne Weine von Newcomer-Winzern, die international noch wenig bekannt sind, es in Sachen Qualität aber mit den großen Erzeugern aufnehmen können- Wie zum Beispiel die Weine der jungen Pfälzer Winzer Markus Schneider (Weingut Schneider Ellerstadt), Thomas Hensel {Weingut Hensel Bad Dürkheim) oder Karsten Peter vornWeingut Castell Peter in Bad Dürkheim. Er wird sein neues Buch „Planet Wein" vorstellen und für weitere Überraschungen sorgen, für die er schließlich bekannt ist. Im Zentrum von Pigotts Wein-Party stehen, was das Essen anbelangt, der Schriesheimer Stemekoch Jürgen Schneider vom Strahlenburger Hof und Gregor Ruppenthal vom Ludwigshafener „Marly" sowie Wolfgang Schönmehl von der Heidelberger Schlossweinstube. Für akustische Genüsse sorgt der Mannheimer DJ CMB.
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RNZ Juni 2005
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