Saumagen trifft schwedischen Aal

Kurpfalzer Köche gemeinsam mit Kollegen aus Schweden am Herd

Eine ganze Region denkt nur an das eine: Ans Essen. In Kristians-tad und Ahus im Osten des schwedischen Landesteils Skane hat man sich ganz dem „Spirit of Food" verschrieben, dem Geist des Essens. Man gründete die gleichnamige Aktion, beflaggt die Stadt Kristianstad entsprechend, führt Besucher über „Äppelvägar", die Apfelwege zu Apfelmostereien und Gasthöfen, lädt zu „Gourmet-Kajak-Touren" oder an die Aalküste ein, zu Angelabenteuern, in Lachs- und Aal-Rauchereien und in die Vod-ka-Fabrik „Absolut" in Ahus, weil zum geräucherten Fisch ein Vodka gehört wie die Butter aufs Knäckebrot.

„Wir sind eine Region des Essen", sagen die Initiatoren der jungen Aktion, mit der man Besucher ins Land holen will. Höchste Zeit für Kurpfalzer Köche und Winzer, Skane eine kulinarische Visite abzustatten und die Spezialitäten der Regionen zusammen zu bringen: „Wein trifft Aal". Wolf Schönmehl vom Heidelberger Schloss und seine Kollegen der Pfalz, die sich schon vor Jahren zur „ Kurpfalzer Landpartie" zusammen getan haben, Winzer wie der Venninger Essig-Guru und umtriebiger spiritus rector der Landpartie, Georg Wiedemann, Touristikfachleute und Bürgermeister der Kurpfalz, insgesamt 30 Vertreter der Region, fuhren jetzt ins grüne Skane. Für Ende August ist der Gegenbesuch angekündigt.

Wer glaubt, Aal sei die eine Sache, Pfälzer Weine und Essen die andere, der irrt. Ein kulinarischer Wettstreit zwischen Köchen aus Ahus (sprich: Ohüs) und der Kurpfalz belegte, dass beides vereinbar ist. Ein Saumagen passt auch zum Aal, wenn sich die Köche ins Zeug legen und sowohl der Saumagen, als auch der Aal in veredelter Form daher kommen. Das klingt dann beispielsweise so: „Rökt AI Rilletes med Kalix löjrom". Spargel kennt man hier wie dort, Fasan ebenso.

Überhaupt: Südschweden ist ein Land des Gemüses und des Obstes. Hier wachsen Kartoffeln, Karotten, Pilze, Erdbeeren und Äpfel. Dass bei jeder Gelegenheit Lachs und Aal angeboten wird, ist landestypisch. Aal ist zwar fett, sagt man hier, aber Aal mache auch fit. Zumal er, frisch geräuchert und nicht aus der Plastikfolie, ein Genuss ist. Einer wie Max Svenson weiß das. Der Aal-räucherer aus dem „Aalschuppen" ist ein Unikum. Der Mann ist lang gewachsen und fast so schmal wie die Fische, die er vollmundig anpreist und auf den Tisch bringt. Zu einem Meter Aal, rät er, müsste man eigentlich zwei Flaschen Vodka trinken, wenn das nichtnweigerlich zur „Aal-Dunkelheit" führen würde. Es geht im übrigen auch völlig ohne Vodka, selbst wenn man in Ahus natürlich stolz darauf ist, dass man im Ort den drittgrößten Vodka-Produzenten der Welt hat.

Schweden wie Max Svenson oder der Bürgermeister von Kristianstad, Bo Kristansson, sind durchaus einverstanden mit landestypischen Redensarten wie dieser: „Wenn man satt ist, ist das noch lange kein Grund, mit dem Essen aufzuhören." Es klingt ein wenig nach Völlerei, aber darum geht es den Menschen in Skane nicht. Man isst eben gern. Außerdem scheint es hier nicht mehr Übergewichtige zu geben als anderswo. Eher im Gegenteil: Die Region gibt sich betont sportlich. Überall wird gejoggt, Kanu gefahren, geritten, Rad gefahren oder Beach-Handball gespielt wie in dem sympathischen Fachwerkstädtchen Ahus an der Hanö-Eucht.

Auf Wasser stößt man hier ohnehin überall. Von Ahus oder Kristianstad aus paddelt man über das Flüsschen Hel-geas und die Feuchtgebiete mit einer reichen Vogelwelt. Die Natur in dem dünn besiedelten Skane ist offenbar wieder in Ordnung, nachdem man sich einige Jahre verstärkt um den Umweltschutz bemühte. Man fährt entlang riesiger Rinder- und Pferdeweiden und durch Kiefernwälder. Ja, und Elche soll es hier auch geben.


RNZ Juni.2005


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