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Nächsten Samstag ist wieder Schlossbeleuchtung - ein Grund, mal einen Blick auf die Historie zu werfen, denn immerhin handelt es sich um eine fast zwei Jahrhunderte währende Tradition. Es war nix los auf dem Schloss! Damals so um 1800. Das war für den Nikolaus Kesselbach ein bisschen zu wenig. So hatte der junge Hofstaller genügend Zeit, ein Büchlein über die Feuerwerkskunst zu studieren. Eifrig schmökerte er sich durch die 116 Seiten. Als schließlich 1807 der badische Kronprinz Karl Ludwig mit seiner Gemahlin Stefanie in Heidelberg zu Gast war, durfte Nikolaus Kesselbach ganz offiziell auf dem Schloss einen tollen Feuerzauber entfachen: In der dunklen Nacht wurde die Burg mit immer neuen Flammen angeleuchtet, Nicht nur die Ehrengäste waren überwältigt, sondern auch die vielen Heidelberger, die von unten das Lichterspiel beobachteten.
Der Lichter-Zauber ist geblieben, bis heute kommen Tausende von Menschen in unsere Stadt, um die Schlossbeleuchtung samt Feuerwerk zu sehen. Wir sichteten im RNZ-Ar-chiv die alten Zeitungsberichte und sprachen mit dem Heimatforscher Horst Hasselbach über die Geschichte des Spektakels. Dabei ist uns nicht ganz klar, wann die erste Beleuchtung mit Feuerwerk nun eigentlich stattfand. War es schon 1613, als Kurfürst Friedrich V. mit seiner jungen Ehefrau Prinzessin Elisabeth Stuart in Heidelberg einzog? Oder war es 1815 beim Besuch von Kronprinz Karl Ludwig und seiner Frau Stefanie? Damals jedenfalls schrieb der romantische Dichter Josef von Eichendorfi: „Es überraschte allgemein und gewährte durch die dunkle Nacht einen fürchterlich-schönen Anblick."
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Nikolaus Kesselbach und die Heidelberger waren nicht mehr zu bremsen. Es gab Feuerwerke im Marstallhof und auf dem Königs-stuhl. Die erste, wirklich große Schlossbeleuchtung fand dann 1815 statt, als der Kaiser von Österreich, der russische Zar und der König von Preußen in Heidelberg die „Heilige Allianz" gegen Napoleon schlössen. Die Schlossruinen wurden rot beleuchtet: Man wollte an die bösen Taten der Franzosen im Erbfolgekrieg erinnern.
Mit der Zeit gab es aber Bedenken gegen die Zündelei, fast wäre es das „Aus" für die Schlossbeleuchtungen gewesen. Wenn nicht, Gott sei Dank, der Sohn von Nikolaus Kesselbach 1860 das „bengalische Feuer" entdeckt hätte, das als weniger gefährlich als die Holzfeuer eingeschätzt wurde. Ab da wurden viele wichtige Ereignisse in Heidelberg mit einer Beleuchtung gefeiert: Zum Beispiel der Besuch von Kaiserin Elisabeth von Österreich und 1886 das 500. Jubiläum der Universität. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es die erste Schlossbeleuchtung 1947. Rund 10 000 Pfälzer durften damals das erste Mal die französische Zone verlassen und strömten nach Heidelberg.
Seit Jahrzehnten sind nun bei jeder Schlossbeleuchtung rund 50 Helfer der Feuerwehr auf dem Schloss im Einsatz. Es ist eine Ehre, dabei zu sein, oft „vererbt" der Vater das Ehrenamt an Sohn und Enkel fort. Horst Hasselbach wurde vor rund 30 Jahren gefragt, ob er helfen möchte. Seither hat er keine einzige Beleuchtung verpasst. Genau um 22.15 Uhr {nach der Uhr der Heilig-Geist-Kirche) gibt er mit einer Signal-Rakete das Zeichen „Achtung!". Dann zünden alle Helfer ihre Lunte an. Wieder genau 30 Sekunden später kommt der zweite Schuss, und alle halten ihre Lunte an das bengalische Feuer - und das Schloss erglüht im roten Licht.
Der Ritus ist seit vielen Jahren nicht verändert worden. Seit diesem Jahr liegt die Koordination der Schlossbeleuchtung bei Wolf Schönmehl. Gemeinsam mit Hasselbach hat er sich etwas Neues ausgedacht: Parallel zur normalen Schlossbeleuchtung wird der Schlosshof mit bengalischem Feuer beleuchtet, speziell für Gäste des Königssaals und der „S & S Schlossrestaurations GmbH". „Die Leute sind begeistert", sagt Hasselbach. Eine Anmeldung zur Innenhof-Beleuchtung mit Abendessen ist erforderlich (Telefon: 06221/97970), für andere Besucher ist der Schlosshof an diesem Abend nicht zugänglich.
Gleich nach der Schlossbeleuchtung erfolgt natürlich auf der Alten Brücke das Feuerwerk, das von professionellen Feuerwerkern gestaltet wird. Da hat schon manches Liebespaar zueinander gefunden. So auch vor fast 40 Jahren ein junges Mädchen von der Bergstraße und ein Mann aus dem Odenwald. Die beiden sind inzwischen verheiratet und haben Kinder und Enkelkinder. Zur Schlossbeleuchtung gehen sie jedes Jahr. „Es ist immer neu und immer schön", sagen sie.
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RNZ 30.8.2005
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