Das Streiten können und wollen sie nicht lassen. Längst schon ist es ihnen in Fleisch und Blut übergegangen: Ulrich Kienzle und Bodo Hauser sind bekannt und berühmt geworden durch ihre Streitereien auf hohem Niveau. Acht Jahre lang waren sie das unzertrennliche Duo, das die Fernseh-Sendung "frontal" zum Quoten-Hit machte. Vier Jahre ist das jetzt her, und "frontal" wird es nie wieder mit Hauser und Kienzle geben. Trotzdem streiten die beiden munter weiter, wann immer sie zusammentreffen - so wie jetzt im Heidelberger Schloss-Restaurant.
Zu Gast waren Hauser und Kienzle beim "Heidelberger Schloss-Gespräch", mit dem das Heidelberger SoftwareUnternehmen novasoft für seine Kunden ein Forum schaffen will für den Austausch "sowohl auf fachlicher als auch auf persönlicher Ebene", wie es heißt. Erklärtes Ziel ist dabei "die Kommunikation - aus einem anderen Blickwinkel heraus als der gewohnten Arbeitsumgebung". Da hatte sich novasoft mit Kienzle und Hauser natürlich genau die Richtigen eingeladen: schließlich sind die beiden nahezu
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Weltmeister in Sachen Kommunikation. Im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung wurde dabei allerdings schnell klar, dass Kommunikation für Kienzle und Hauser im Zweifelsfall immer sehr schnell zur Politik führt - egal, mit welchem Thema sie beginnt. "Wir sind nun mal politische Journalisten", sind sie sich ausnahmsweise mal einig. Auch bei einem Unternehmen aus der IT-Branche wie novasoft führt daran kein Weg vorbei. Und gleich beim Blick auf die Wahlen vor einer Woche beginnt wieder der alte Streit: "Das Wahlergebnis ist deprimierend, eine absolute Katastrophe sowohl für die SPD als auch für die CDU", sagt Kienzle. "Lass maldie Kirche im Dorf", kontert Hauser, "vielleicht für die SPD katastrophal, aber doch nicht für die CDU."
Für den konservativen Hauser führt spätestens seit dieser Wahl nun wirklich kein Weg daran vorbei, dass der nächste Bundeskanzler eine Frau ist und Angela Merkel heißt. Und das ist aus seiner Sicht gut so: "Ein Regierungswechsel wird vielleicht den nötigen Schub bringen in der derzeitigen Misere", hofft er. Kienzle befürchtet seinerseits, dass
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vl.n.r.: Georg Konrad (novasoft-Vorstand), Ulrich Kienzle, László Gothard (novasoft-Vorstand), Bodo Hauser
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sein Gegenüber Recht hat mit der KanzlerProphezeiung: "Schrecklich", sagt er, "die Merkel nimmt doch mittlerweile bereits auch äu"erlich schon die Form von Helmut Kohl an. " Hauser mag dies seinerseits gar nicht abstreiten, betont jedoch: "Mir ist wichtiger, was eine in der Birne hat."
Woran liegt es, dass die SPD derzeit in einem solch ungeahnten Tief ist? "Schröder kann man da nicht von einer gewissen Schuld freisprechen", sagt SPD-Freund Kienzle, "sein Fehler ist, dass er bei seiner Politik die sozialen Aspekte zu sehr vergisst." Die Reformen selbst seien ja schließlich allesamt bitter nötig, sagt Kienzle fast frustriert: "Aber sie tun halt weh, und das nehmen auch die SPD-Wähler dem Kanzler übel."
Hauser findet es dabei merkwürdig, dass die Grünen so ungeschoren davonkommen: "Herr Trittin hat doch mindestens genau so viel Schuld am Elend. Was nützt es uns beispielsweise, wenn wir Weltmeister im Umweltschutz sind, aber pleite?" Dass die Grünen bei den "Denkzettel-Wahlen" der letzten Monate gar nichts abbekommen, das findet Häuser" einfach ungerecht".
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Manchmal geht es selbst bei Hauser und Kienzle um etwas anderes als Politik-zumindest zwischendurch. Beide essen gerne gut, gestehen sie: "Am liebsten Kutteln mit Champagner", so Hauser, "aber notfalls geht das auch ohne Kutteln". Nachzulesen ist das in ihrem Buch "Küchenkabinett", das sie im Schloss gerne auch gleich signierten. Ansonsten sei er leidenschaftlicher Jäger, gesteht Hauser - im Gegensatz zu seinem Freund Kienzle, der "zwar sehr gegen die Jagd ist, aber für sein Leben gern Wild vertilgt". Kienzle seinerseits ist bekennender WeinLiebhaber (Hauser: "Wohl eher Wein-Vernichter") und sammelt Bordeaux: "Ich kaufe jedes Jahr eine Kiste; zurzeit fange ich grade an, die von vor 20 Jahren zu vernichten."
Auch Fußball gucken die beiden Herren schon mal zusammen. Und da sind sie sich ausnahmsweise mal wieder einig: "Europameister wird Deutschland auf keinen Fall.` Obwohl dies für die Stimmung und auch die Wirtschaft im Lande das Beste wäre, was passieren könnte: "Das würde diesem Land ausgesprochen gut tun", sagt Hauser, "dann würde endlich auch mal das ewige Jammern aufhören."
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RNZ Juli 2004
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