In Essig geronnene Kurpfälzer Lebensart

Liselotte bewirtet eine "exclusive Jagdgesellschaft" wie zu Kurfürstens Zeiten -
Sinnlichkeit und Leidenschaft der "Träne der Cleopatra"

Von Alexander R. Wenisch

Sie tragen edle Namen und sind von eben-solchem Geschlecht: "'Träne der Cleopatra" oder "Liselottes Lieblingsessig". Sie sind die Ingredienzien feinster Speisen, aus denen zehn Sterneköche der Region am Wochenende ein ganzes Menü kreiert haben. Nirgendwo hätte dies besser präsentiert werden kön-nen als auf dem Heidelberger Schloss im imposanten Königssaal, in dem gewöhnlich Maitre Wolf Schönmehl Gäste verwöhnt.


Grund für den exklusiven Galaabend gab Georg Heinrich Wiedemanns Kochbuch" Essig-Sinnlichkeit und Leidenschaft", das Anfang des Jahres beim "Gourmand World Cookbook Award" in Spanien zum besten deutschsprachigen Gesundheits- und Ernährungsbuch gekürt wurde. Dazu hatte er sich mit zehn Spitzenköchen aus der Pfalz zusammengetan, die Rezepte für Speisen rund um die edle Essenz lieferten. Mit einem sechsgängigen "Event-Essern" zeigten diese "g'stonnene Moannsbilder", so Kochbuchau-tor und Mundartfreund Wiedemann, dass sich Essig nicht nur zum Verfeinern von Salat eignet. Vielmehr wird hier dem Fischgericht mit Essig eine besondere Note verliehen oder Damhirschrücken geadelt; etwas Gänseleber hier, Feigencreme im Frischlingsschinken dort. Wiedemann formulierte kurpfälzisch-korrekt, was wohl viele Gäste erlebten: "Do leeft mers Wasser in der Schnunt zamme".
Zum Dessert gab's dann Erdbeer-Rhabar-ber-Kompott mit Orangenblüten-Essig und Essigpralinen. Wenn herbe Schokolade über fruchtiger Essigcreme ganz neue Geschmacksreize provoziert, ist ein Zuviel an kulinarischer "Sinnlichkeit" stellenweise eher gewöhnungsbedürftig. Da tut ein einfaches Glas Wasser, natürlich nur die echte Heidelberger Schlossquelle, den Geschmacksnerven gut.
Passend zum Event wurden Essige zur Verköstigung ausgeschenkt, darunter auch der "Liselotte-von-der-Pfalz-Essig". Dieser bestehe, so Essigmeister Wiedemann, ausschließlich aus Kräutern, die einst im legendären Hortus Palatinus angebaut worden waren.
Selbstredend zeigte sich Liselotte, die zu einem solchen gesellschaftlichen Highlight nicht fehlen durfte, davon begeistert: "Die Pfalz ist ein gelobet Land. " In Pferdekutsche war sie zur Eröffnung der Soiree in den Schlossinnenhof gefahren und wurde von den 200 Gästen mit Champagner und kleinen Pastetchen begrüßt Gemeinsam residierte sie an diesem Abend als "verehrt Jagdge-sellschaft" wie weiland der Kurfürst über der Stadt. Jagdgesellschaften, wusste Gastgeber Wiedemann, waren früher "das Privileg der Reichen" - der Eintritt für die neuzeitliche Auflage hatte immerhin 120 Euro gekostet.
Dafür war aber auch ein hochkarätiges Rahmenprogramm geboten. Der Heidelberger Jagdhombläserkreis rief zum Halali, während sich 15 englische Foxhounds der Badischen Dragonermeute Forst vor den Augen des Publikums um einen Pansen rissen und zwei Falkner mit ihren imposanten Vögeln durch den Hof schritten. Die Essig-Essenpausen gestalteten beispielsweise der Frauenchor Landau, die Nummer eins nicht nur in der Pfalz, mit Liedern von Brahms und Schu-mann, die Wiedemann passend als "Minne-gesang" angekündigt hatte.
Am Ende des sechsstündigen Essig-Events setzte ein mit klassischer Musik unterlegtes Feuerwerk im Schlosshof die passende Kadenz für diesen Abend.

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