"Essig - Sinnlichkeit und Leidenschaft"Eine ganz besondere Buchvorstellung im Königssaal -
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Feinste Trüffelpralinen mit Essigfüllung? Das kann sich doch nur um einen ganz üblen Scherz handeln! Weit gefehlt. "Essig - Sinnlichkeit und Leidenschaft" heißt nicht nur das Buch von Georg Heinrich Wiedemann, Inhaber des Weinessigguts "Doktorenhof" im pfälzischen Venningen, es war auch Thema und Motto eines gaumenfreudigen Abends im Königssaal des Heidelberger Schlosses. In dem Buch mit Fotos von Achim Käflein findet sich nicht nur alles Wissenswerte über das Mysterium Essig als Nahrungsmittel, Medizin und Kosmetik, vorgestellt werden auch Spitzenköche der Region, von denen die Geheimnisse dieser Essenz richtig angewendet werden. Zu ihnen gehört Maitre Wolf Schönmehl, der "herrschaftliche Hofkoch des Heidelberger Schlosses", der an diesem Abend über 200 Gäste verwöhnte, als hätte er einen handverlesenen kleinen Kreis bekocht. So galt dem rund 30-köpfigen Team um den Küchenmeister weit nach Mitternacht ein herzlicher Applaus, Beifall erhielt auch das bemerkenswerte Innenhof-Feuerwerk. Efeu, blaue Trauben und rote Rosen dominierten den Tischschmuck, auffallend die besonders langstieligen Essig-Probiergläser. Verkostet wurden zwischen den Gängen unterschiedliche Essige vom Doktorenhof, zum Teil über Jahre gereift, als Gaumenschmeichler. Wenn auch Essig gedanklich mit "sauer" belegt ist, wurden die Genießer vom Gegenteil überzeugt und lernten eine neue Aperitif-Variante kennen. Wiedemann, der den Abend moderierte, empfahl den Doktorenhof-Essig aber auch zum "Parfümieren" von lauwarmen Gambas, Nudeln, Fischcarpaccios, Salaten, Erdbeeren und vielem mehr. Aus der Schlossküche gab es - nach einem Empfang auf dem Altan - ein Artischockenschaumsüppchen (mit Löwenzahnessig), Steinbutt unter der Pinienkernkruste (mit Liselotte-Essig), die klassische "Ente von Heidelberg" (mit Vierräuber-Balsam), Nußlocher Ziegenkäse (mit Zimtessig) und Liselottes Feigentörtchen mit Feigenessigschaum. Als die ersten Menschen noch barfuß als Jäger und Sammler unterwegs waren, machten sie schon Bekanntschaft mit der alkoholischen Gärung und in deren Gefolge mit der Umwandlung durch Essig-Bakterien. Hippokrates berichtete von den ersten Heilwirkungen, und bald waren auch die konservierenden Eigenschaften entdeckt. Im Doktorenhof beflügelt der Essig die Sinne: Hier reifen die Grundweine aus traditionellen Rebsorten in alten Eichenfässern nach dem Sherryprinzip. Inder bodenfeuchten, warmen "Essigstube" warten die gutseigenen Bakterien schon auf Weinnachschub. Gefräßig gehen sie dem Alkohol an den Kragen und scheiden Essigsäure aus. Während das normale Essigvolk hier sechs Monate gastiert, bleiben die edlen Essenzen aus Trockenbeerenauslesen und Eisweinen bis zu zwei Jahren, bevor sie in mundgeblasenen Flaschen landen. Neben dieser Naturform preist Wiedemann auch die Kräfte seines Essigs als Aphrodisiakum, hat in dicken Folianten von Heilpflanzenessig und Hochzeitsbalsam erfahren und die Rezepturen neu belebt. Sein "Acetum romanticum" ist schließlich eine Hommage an Giacomo Casanova. Da durfte natürlich auch ein historisierendes Programm nicht fehlen: Es sang der Projektchor "Die Vettern der Braut", es tanzten die "Fine Artists of baroc Dancing", und Judith ZieglerSchwaab aus Maikammer gab die Liselotte von der Pfalz, nach der ebenfalls ein Essig benannt ist. Doch noch einmal zurück zu den Trüffelpralinen: Die werden in Handarbeit von Christoph Vogel vom Cafe Sixt in Neustadt an der Weinstraße hergestellt. Er gießt feinste Kuvertüre so in Rundformen, dass als Rohpraline Hohlkugeln entstehen. Diese nehmen nun das säuerlich-süße Geheimnis auf, eine Füllung aus Schokolade, Sahne, etwas Zucker und reichlich Orangenblütenessig. |
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![]() Ins Rokoko fühlten sich die Besucher im Königssaal zurückversetzt, wo Georg Heinrich Wiedemann (rechts) sein Buch zum Thema Essig vorstellte. Der Chef der Schlossgastronomie, Wolf Schönmehl, hatte entsprechend schmackhaft angerichtet. |
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