Im Schloss wütet die Pest

Neue Sonderführung ist etwas für Mutige


Das Heidelberger Schloss, Sinnbild der herrschaftlichen Kurpfalz, ist in unheimliches Dunkel gehüllt. Es ist bitterkalt, eine klare, winterliche Frostnacht. Matt schimmern die weiten Schneeflächen und erhellen die Szenerie ein wenig. Trocken knirscht der Schnee unter den Füßen - alles ist still. Da löst sich plötzliche eine Gestalt aus dem Dunkel. Nur eine schwach erleuchtete Laterne ist in ihrer Hand zu ahnen. Wehklagend geht sie auf die Gruppe Neugieriger zu, die sich zur neuen Sonderführung vor dem Schloss eingefunden hat: „Von Pesthauch, Magiern und Monstranz" - Heidelberg zu Zeiten einer Pestepedemie.

Die „Pestmaria" nimmt die Gruppe in Empfang. Ihr Anblick macht Schaudern: Ein blasses, schmutziges Gesicht mit tief verschatteten Augen und schwärenden Pestbeulen am Hals, schaut die Besucher klagend an. Ihre Kleidung besteht nur aus Lumpen. Das sei die Strafe Gottes, erklärt sie.

Weiß einiges über Stadt und Schloss zu Zeiten der großen Epidemie zu berichten: die "Pestmaria"
Der schwarze Tod regiere ja schon seit Wochen das Land. Der Adel sei geflohen und aus reiner Habgier habe sie, eine Zofe am kurfürstlichen Hof, ihrer toten Herrin die Kleider gestohlen und sich so mit der Seuche infiziert...

Maria Ley, als Pestkranke, spielt ihre Rolle überzeugend. Sie nimmt die Besucher mit auf eine Reise in gar nicht allzu ferne Zeiten. Die Pestwellen haben immer wieder auch im Heidelberger Raum gewütet und die Bevölkerung dezimiert. Solange der heute als „Yersinia pestis" bekannte Erreger nicht gefunden war und man vor allem die Verbreitungswege des Schwarzen Todes nicht kannte, war vor allem die normale Bevölkerung dem Verderben hilflos ausgeliefert. Der Adel versuchte sich durch Flucht zu schützen. So erblickte der spätere Kurfürst Friedrich V. 1596 in Amberg das Licht der Welt, da Heidelberg mal wieder von der Seuche heimgesucht war.

Bei der neuen „Sonderrührung für Mutige" tauchen die Besucher ein in die Vergangenheit und wundern sich nach eineinhalb Stunden, dass die Zeit buchstäblich verflogen ist. Wieder einmal ist es dem Service Center Schloss Heidelberg und seinen Mitarbeitern gelungen, ein längst vergessenes Thema spannend und lebendig zu gestalten. Die Führung „Von Pesthauch, Magiern und Monstranz" findet einmal im Monat statt.

Für Gruppen kann sie zum Wunschtermin gebucht werden. Reservierungen und Anmeldungen unter Telefon 0 62 21/65 57 16.
Wochenkurier 13/2006
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